Landtag statt Lichtenhagen – David Petereit im Glück

Rügen I hat gewählt. Und die Zusammensetzung des Landtages verändert sich tatsächlich. Allerdings nicht ganz wie erhofft. Im Vorfeld der Nachwahlen hatte beispielsweise DIE LINKE dazu aufgerufen die B90/Grünen mit der Zweitstimme zu wählen, damit die Grünen der NPD noch einen Sitz abluchsen können. Die Strategie ging fast auf, nur denkbar knapp konnte die NPD ihren Sitz behalten, da die SPD insgesamt zu schwach war. Eine Modellrechnung zeigt: Der Verlust des fünften Mandates für die NPD lag gestern eindeutig im Bereich des Möglichen.
ie Wähler in Rügen I hatten gestern einen enormen taktischen Vorteil, denn sie kannten bereits das restliche Landesergebnis. Von daher war ziemlich klar, dass, wenn die Grünen sehr stark abschneiden würden und die SPD auch einigermaßen mithält, die NPD einen Sitz an die Grünen verloren hätte. Nun sitzt David Petereit doch im Landtag. Freuen kann sich nun die NPD, dass ihr der Verlust von 750.000 Euro an Steuergelder erspart geblieben ist. Aber auch David Petereit wird sich freuen, füllt die Abgeordnetendiät doch auch seine Privatschatulle.
In den letzten Jahren war sie häufig angekratzt, da David Petereit nicht nur ein schlechtes Händchen bei der Wahl seiner politischen Einstellung bewiesen hat, sondern auch immer wieder Pech mit der Wahl seines Parkplatzes. Vier mal brannte bereits die Stelle des Parkplatzes, wenn sich Petereits Privatfahrzeuge dort befanden. Auch für eventuelle Wegeunfälle auf dem Gang ins Schweriner Schloss ist er jetzt bestens abgesichert, dies hätte er auch bereits in der Vergangenheit gebrauchen können. So erlitt er als er im Parteiauftrag Wahlkampf in Stäbelow betrieb, einen exogen initiierten Schwächeanfall, der ihn unsanft erst auf den Boden und dann ins Krankenhaus beförderte.

Nach unseren Berechnungen hätte jedoch nicht viel gefehlt und das fünfte Mandat wäre der NPD verlustig gegangen. Hintergrund ist das so genannte Hare/Niemeyer-Verfahren, welches die Sitzverteilung bestimmt. Dabei werden die Stimmen für alle Parteien, welche die 5%-Hürde überschritten haben (d.h. die FDP, andere Spaßparteien aber auch die Piraten werden nicht berücksichtigt) anteilsmäßig auf die 71 Sitze im Schweriner Schloss verteilt.

Die NPD verschlechterte ihr Ergebnis auf 4,621. Da die SPD jedoch auf eine Quote von 27,547 fiel, verlor die SPD den Sitz an die Grünen. Hätte sie einen Wert von 27,622 erreicht, dann wäre die NPD draussen geblieben, sofern die Grünen nicht stark verloren hätten. Geht man davon aus, dass das Ergebnis für alle Parteien unverändert geblieben wäre und man würde die Frage stellen, wieviele Grünenwähler die SPD hätten wählen müssen, ist die Antwort deprimierend. Nur 664 Wähler mehr hätten unter sonst gleichen Bedingungen die SPD wählen müssen und David hätte weiter im Lichtenhägener Plattenbau gehaust.

Hätte, wäre, wenn. Im Endeffekt ist das Ergebnis als klares Signal gegen die NPD zu werten. Hier ging es um nichts mehr, außer darum der NPD einen Sitz zu stibitzen. Mit 24,8% erreichten die Grünen ihr landesweit bestes Ergebnis, was vorallem auf die strategischen Wahlabsprachen zurückzuführen ist.

Anders als 2006 blieb die NPD diesmal unter ihrem Landesdurchschnitt. Das dürfte für die NPD ebensowenig erfreulich sein, wie die Erkenntnis, dass der Kampf gegen Neonazis auch nach dem 4. September weiter geht, wie die Genossen erst jüngst in Greifswald zeigten.

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